Mobiles Lernen im Unterricht

Der Einsatz von Tablets birgt viel kreatives Potential für alle Altersstufen und unterstützt die Vermittlung schulisch relevanter Inhalte sowie die Entwicklung der Medienkompetenz. Damit Tablets möglichst produktiv eingesetzt werden können, braucht es neben einer entsprechenden Infrastruktur und kompetenten Lehrpersonen auch angepasste Unterrichtsformen. Bevor der Einsatz von Tablets im Unterricht beginnen kann, muss an vieles gedacht werden. Es gibt verschiedene pädagogische Ansätze sowie unterschiedliche Geräte und Betriebssysteme. Zudem müssen Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten geklärt werden. 

Einsatzformen

Je nach stufen- bzw. fachspezifischen Bedürfnissen und schulhausspezifischen Rahmenbedingungen kann es sinnvoll sein, unterschiedliche Lösungsansätze zu verfolgen und im Endeffekt auch mehrere Lösungen zu integrieren:

  • 1-to-1-Computing: Jeder Lernende erhält von der Schule persönliches Tablet. In diesem Zusammenhang stellt sich u.a. die Frage, ob Tablets ausschliesslich in der Schule oder auch ausserschulisch genutzt werden dürfen.
  • Bring-Your-Own-Device (BYOD): Die Schülerinnen und Schüler bringen ihre privaten Geräte einer bestimmten Gerätekategorie (Smartphone, Tablet oder Laptop) in den Unterricht mit und können diese in die schulische Infra- struktur integrieren. Für Lernende, die kein eigenes Gerät mitbringen kön- nen, ist es wichtig, dass kein Zwang zum Kauf eines privaten Geräts besteht. Deshalb sollte die Schule in diesen Fällen eigene Geräte zur Verfügung stel- len. Die Schule muss sich bei dieser Lösung zudem mit unterschiedlicher Hard- und Software auseinandersetzen und überlegen, wie sie diese im Unterricht sinnvoll implementieren kann.
  • Geräte-Pool: Lehrpersonen haben Zugriff auf einen oder mehrere Tablet-Pools, die ausgeliehen und punktuell im Unterricht eingesetzt werden können. Die Tablet-Pools können beispielsweise mit Notebook-Pools kombiniert werden.

Tablets als Werkzeuge

Mobile Geräte ersetzten die bisherigen Unterrichtsmethoden und -materialien keineswegs, sondern sind vielmehr Werkzeuge, die das Herstellen unterschiedlichster multimedialer Produkte vereinfachen bzw. neue Präsentationsformen und Zugänge ermöglichen. Tablets kommen in den klassischen Fächern wie Sprach-, Sach- und Mathematikunterricht oft zum Einsatz, darüber hinaus aber auch im Musikunterricht, im Bildnerischen Gestalten und im Sportunterricht. In Verbindung mit passenden Apps eröffnen mobile Geräte verschiedene Lernmöglichkeiten. Sie eignen sich u.a.

  • zum Programmieren
  • zum Recherchieren u. Präsentieren bzw. Veranschaulichen von Inhalten
  • zum Üben und Festigen mittels Lern-Apps oder Lernspielen
  • für Audio-, Foto- und Videoaufnahmen
  • für kreatives Arbeiten mit Bild und Ton
  • als multimediale Lernhilfe (u.a. auch im sonderpädagogischen Bereich)
  • als Kooperationswerkzeug
  • als mobiles Notizbuch zum Dokumentieren von Lernergebnissen
  • für ausserschulisches Lernen

Apps und Webtools

Wichtig ist die Anschaffung qualitativ guter Apps – wenn immer möglich mit Lehrplan- und Lehrmittelbezug. Wenige, aber dafür gute und meist auch kostenpflichtige Apps bringen oft mehr als viele, oftmals kostenlose. Auf dem AppAdvisor von imedias erhalten sie nützliche Empfehlungen zu Apps & Webtools für den Unterricht vom Kindergarten bis zur Sekundarschule. 

Betriebssysteme

Bevor Tablets angeschafft werden, sollte die Auswahl für ein bestimmtes Betriebssystem getroffen werden. Im Bildungsbereich sind drei verschiedene Betriebssysteme mit entsprechenden Apps auf dem Markt. Für die Verwaltung mehrerer Geräte sind die technischen Voraussetzungen aber noch sehr unterschiedlich und der Aufwand für Support und Unterhalt kann je nach Betriebssystem dementsprechend variieren.

  • Android: Basiert auf Linux und läuft auf einer Vielzahl von Geräten. Dabei gibt es zahlreiche Tablet-Anbieter (z.B. Nexus, HTC, Samsung etc.) und Produkte in verschiedenen Preislagen und Qualitätsstufen. 
  • iOS: Dieses Betriebssystem verfügt über ein klares, intuitives Bedienungskonzept und über integrierte Bedienungshilfen. Apple bietet Schulen mit dem Volume Purchase Programm (VPP) die Möglichkeit eine grosse Anzahl Apps zu kaufen bzw. zu lizenisieren.
  • Windows: Beim Windows-Tablet Surface handelt es sich um ein vollwertiges PC-Betriebssystem, das die Möglichkeiten eines Desktop-PCs oder Laptops auf das Tablet bringt. Per USB lassen sich beispielsweise Drucker, Scanner oder ein Lernstick anschliessen.

Technische Aspekte

Mit ihrer intuitiven Touch-Bedienung, dem geringen Gewicht und der integrierten Kamera bieten Tablets eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit in die digitale Medienwelt. Kindern und Jugendlichen gelingt es mit diesen Geräten sehr rasch, Inhalte selbst zu gestalten. Schon in den ersten Schuljahren sind Tablets aufgrund der langen Akkulaufzeit, der Mobilität und der Bildschirmgrösse, die das Arbeiten in Kleingruppen erlaubt, ein ideales Gerät für einen schülerinnen- und schülerzentrierten Unterricht. Auch Lehrpersonen, die dem Computer skeptisch gegenüberstehen, kommen mit Tablets sehr schnell zurecht. Zudem ersetzt das Tablet dank integrierter Kamera und integriertem Mikrofon Digital- und Videokamera sowie Tonaufnahmegerät.

WLAN / Cloud

Für einen optimalen und bestmöglichen Einsatz von Tablets im Schulunterricht sind gewisse Rahmenbedingungen Voraussetzung:

  • WLAN: Ein stabiler und zuverlässiger Zugriff aufs Internet ist eine wichtige Voraussetzung für den reibungslosen Einsatz der Tablets im Unterricht. Investitionen in ein sehr gut ausgebautes Netzwerk bzw. eine professionelle WLAN-Lösung mit hohen Bandbreiten lohnen sich.
  • Server/Cloud-Lösung: Damit sowohl Lernende als auch Lehrpersonen jederzeit von unterschiedlichen Geräten auf ihre Daten zugreifen können, empfiehlt es sich, einen Server oder eine Arbeitsplattform bei einem Cloud-Dienst einzurichten, der die hiesigen Datenschutzbestimmungen einhält.
  • Sicherheits-Konzept: Installation eines zuverlässigen Content-Filters (Web Content Screening) sowie einer zuverlässigen Firewall sind unabdingbar. Das Schulnetz, über das die Tablets laufen, sollte vom Verwaltungsnetz – auf dem sensible Daten gespeichert sind – getrennt sein.

Organisation

Die Integration von Tablets in Schule und Unterricht sollte beider Entwicklung und Aktualisierung des Konzeptes für Medien und Informatik als integraler Bestandteil mitgedacht werden.

Weiterbildung der Lehrpersonen

Die Schulleitungen klären idealerweise vorgängig die didaktischen und pädagogischen Bedürfnisse der Lehrpersonen ab. Vor dem Einsatz der Tablets im Unterricht wird empfohlen, dass Lehrpersonen sich technische Kompetenzen im Umgang mit Tablets aneignen und Unterrichtssettings entwickeln bzw. ihre fachdidaktischen Kompetenzen um die Dimension der mediendidaktischen Kompetenzen erweitern. Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, wenn Lehrpersonen einige Monate „Vorsprung“ erhalten. Denn die Integration von Tablets in den Unterricht bedarf einer sorgfältigen Planung und der Aufwand zur Unterrichtsvorbereitung kann gerade zu Beginn grösser sein. Idealerweise wird den Lehrpersonen ein eigenes Tablet als Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt oder sie nutzen ihr persönliches Gerät, mit dem sie einen schrittweisen Einstieg in die Arbeit mit mobilen Geräten wagen können. Dabei ist es hilfreich, mit einer forschenden Haltung mit dem Tablet im Unterricht zu experimentieren und so erste Erfahrungen zu sammeln. 

Austausch in Teams

 Schulleitungen ermöglichen idealerweise Strukturen und Zeitgefässe für regelmässigen Austausch in Fach- oder Stufenteams sowie fachspezifische Unterstützung für wenig erfahrene Lehrpersonen (z.B. Teamteaching, „Experten“ oder pädagogischer ICT-Support).

Kommunikation

Viele Eltern sind froh um Unterstützung bei pädagogischen Fragen rund um die Nutzung der Tablets und des Internets. Deshalb lohnt es sich aufzuzeigen, wie einerseits Tablets im Unterricht eingesetzt werden und andererseits das Potenzial mobiler Geräte  und  des  Internets  auch im ausserschulischen Bereich genutzt werden kann.

Nutzungsvereinbarung

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration von Tablets besteht darin, schulhaus-, jahrgangs- oder klassen- spezifische Nutzungsvereinbarungen zu definieren und auf eine konsequente Einhaltung dieser Regeln zu achten. Dabei gilt es, den Schülerinnen und Schülern im Umgang mit Tablets Vertrauen zu schenken und doch angemessen zu kontrollieren, ob die Nutzungsvereinbarungen eingehalten werden. Der ICT- Guide des Kantons Zürich enthält ein Kapitel zu schulinternen Vereinbarungen mit entsprechenden Praxisbeispielen.

Pädagogischer- und technischer Support

Schulleitungen bieten nach Möglichkeit interessierten Lehrpersonen die Gelegenheit, sich gegen angemessenes Entgelt oder Entlastung als pädagogische ICT-Supporterin bzw. pädagogischer ICT- Supporter mit klarem Pflichtenheft an der Schule zu engagieren. Es ist wichtig, genügend personelle und finanzielle Ressourcen für den Unterhalt der Geräte und des schulinternen Netzwerkes einzuplanen und dabei eine möglichst effiziente Lösung anzustreben. Allenfalls externe Firmen beiziehen.

Weiterbildungsangebote

Kursorisches Angebot: Tablets im Unterricht – myPad

Lehrpersonen entdecken Tablets als vielfältige Lern-Werkzeuge für den Unterricht. Von der Erstellung multimedialer eBooks, Trickfilm-Produktionen oder Filmtrailers können vielfältige Lernmöglichkeiten bzw. Lernzugänge ausprobiert werden: Zudem können motivierende Apps und Webtools zum Üben und Festigen von Lerninhalte erprobt werden.

Kursorisches Angebot: Sonderpädagogik und Medien

Exemplarisch werden diverse Einsatzmöglichkeiten von Tablets, Notebooks und weiteren digitalen Hilfsmitteln zur Unterstützung von Lernprozessen bei Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf in verschiedenen Bereichen vorgestellt.

Entwicklungsthema: Mobiles Lernen im Unterricht – myPad

Im Entwicklungsthema “Mobiles Lernen im Unterricht – myPad” erproben und evaluieren Lehrpersonen die Möglichkeiten und Chancen der Nutzung mobiler Geräte im Unterricht. Jeder Lehrperson stehen Leih-Tablets für ihren Unterricht zur Verfügung, um Unterrichtsideen in der Praxis zu erproben, zu optimieren und Apps bzw. Webtools für die jeweilige Stufe zu testen. Voraussetzungen:

  • Hohes Interesse am Thema bzw. Bereitschaft sich in neue Themen einzuarbeiten.
  • Eigene Unterrichtsideen erarbeiten und auf dem Blog my-pad.ch anderen Lehrpersonen zur Verfügung stellen.
  • Besuch von vier Weiterbildungs-Nachmittagen, an denen Unterrichtsideen und -erfahrungen sowie geeignete Materialien für den didaktisch sinnvollen Einsatz der Tablets ausgetauscht werden.

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